Konzertkritiken

   

Wasserburg Juni 2017

Das nun bereits seit vier Jahrzehnten wirkende „Abegg Trio“ wartete beim Wasserburger Rathauskonzert mit drei der meist gespielten Klaviertrios der klassischen Kammermusik auf.

Ulrich Beetz, Birgit Erichson und Gerrit Zitterbart zeigten, dass man das G-Dur-Haydn-Trio mit dem berühmten ungarischen Rondo oder ein „Geistertrio“ von Beethoven nicht oft genug hören kann. Zu schön sind beide, auch für Laienmusiker, die bei Beethovens Opus schon an Grenzen stoßen könnten. Wenn man aber ans berühmte „Opus 8“ von Brahms denkt, mag das ein „Hauen und Stechen“ zwischen opulentem Klavierpart und den dadurch geforderten Streichern unter Laienhand werden. Doch großartig hört es sich jedes Mal an – und einfach schön dazu, und dies sollte sich an diesem Abend in besonderer Weise erweisen.

Lassen wir uns mal Haydn auf uns wirken: Unisono spielen Geige und Klavier in der Oberstimme, desgleichen unten das Cello – ist das noch ein „Trio“? Wenn man aber mit so viel Liebe zur Schlichtheit dargeboten wurde wie hier, war man als Zuhörer hingerissen von Haydns Melodik. Der Komponist wusste im rechten Moment, wie man dem Klavier verzierende Ausflüge beschert, die das Ganze versüßen.

Versüßt hatte er auch mit einem Ausflug ins E-Dur im Mittelsatz, um dann, einer damals beliebten Mode im Habsburgerreich huldigend, ein „Rondo all´Ongarese“ an den Schluss zu setzen. Da fand sich beim „Abegg Trio“ nun alles, was ungarisch klingt – und das war keineswegs nur mehr einfache Liebhabermusik. Danke für diese Art der Veredelung von Hausmusik!

„Geistertrio“ heißt Beethovens op.70/1 wegen des Mittelsatzes, der vom Wasserburger Podium aus so abseitig unheimlich anmutete und schon auf Zukünftiges hinwies, dass man sich nach dem sehnen mochte, was beispielsweise ein Franz Schubert zusätzlich konnte: aus dem Urgrund zu trösten. Aber auch schon im Kopfsatz musizierten die drei so leichtfüßig, dass man das Geisterhafte schon vorahnte und das durchgängig den Abend leitende Konzept des Ensembles erkannte: federnd, nie aufdringlich im Forte, duftig im Piano. Hingehuscht wurde der Finalsatz mit einem Pizzicato am Ende und krönendem Abschluss.

Das „Opus 8“, ein opulenter Kraftakt? Mitnichten, denn insbesondere der Pianist hatte schon bei Beethoven ahnen lassen, wie Brahms bei ihm klingen könnte, und so war es auch: Vollgriffige Partien, bei denen sonst die Streicher ums Überleben kämpfen, nahm er weise zurück, sparte mit Pedal, setzte die Akkorde trocken in die Tasten, nahm Nebentönen die allzu große Bedeutsamkeit. Die Cellistin dankte in des Saales Hitze mit vibratoreicher Kantilene, der Geiger assistierte mit hörbar kraftvollem Rhythmus. Und Schönheit bietet das Werk ohnehin in Hülle und Fülle: In langer Erinnerung bleibt das Adagio mit seinem Zwiegesang aus Streicherduo und Klavier.

Klagend langgezogene Cellotöne, ostinate Figuren im Klavier, zaghaftes Zirpen in der Geige – Dvoraks Andante aus dem „Dumky-Trio“ gab es als Zugabe: Ein geheimnisvolles musikalisches Gespräch dreier Musiker am Ende, mit einem Augenzwinkern zum Publikum ein letztes Pizzicato des Geigers - gab es einen besseren Schluss als Bestätigung für ein Konzept, im Trio mit Liebe zu musizieren?

 

Walkenried Oktober 2016

Abschied mit Premiere 

Abegg Trio verabschiedet sich mit Beethoven

Man soll gehen, wenn's am schönsten ist. Auf ihrer Abschiedstournee schaute das Abegg Trio noch einmal in Walkenried vorbei. Dabei zeigte es, warum es auch nach vierzig Jahren immer noch zu den Spitzenensembles in Sachen Kammermusik gehört.

Seit 1976 musizieren Ulrich Beetz, Birgit Erichson und Gerrit Zitterbart zusammen. 1976? Damals zog David Bowie  gerade nach Berlin und die Puhdys kündigten ihre erste Abschiedstournee an. Die Schmuserocker sind immer noch unterwegs in Sachen Aufhören und wie die Sache mit David Bowie ausgegangen ist, dürfte bekannt sein.

Die erste Premiere zum Abschied war der Spielort. Zum ersten Mal wurde es an diesem Abend die Kammermusik nicht im Kreuzgang sondern im Kapitelsaal dargereicht. Die Verlegung hat sich ausgezahlt. Der Kapitelsaal bietet eine intime Atmosphäre, die zurückführt zu den Anfängen der Kammermusik als musikalisches Ereignis für einen begrenzten, abgeschlossen und sogar familiären Kreis. Das ist der Charakter dieser Gattung: konzentriert und vertieft.

Somit ist die Bezeichnung Konzert sogar irreführend. Es war eine Soiree unter dem Titel "Beethoven um sechs". So blieb das Abegg Trio seinem Anspruch, einer authentischen Aufführungspraxis mit passendem Umfeld bis zuletzt treu.

Die zweite Premiere war im Programm versteckt. Dort waren drei Klaviertrios von Beethoven versammelt. Von Opus 1.1 bis Opus 1.3 sind es die ersten Werke, die Beethoven als Neuankömmling in Wien veröffentlicht hat. Sie sollten wegweisend werden.

Wer das Schlagwort von Mozarts Geist weitergereicht mit Haydens Händen strapaziert, der führt ein wenig in die Irre. Bei Beethoven stellt sich immer die Frage: "Wer er noch Spätklassiker oder schon Frühromantiker?" Nach diesem Abend ist die Antwort ein entschiedenes Jein. Die herausgehobene Stellung des Instrumentalisten, die Auflösung des Tutti, die Individualität jedes einzelnen Tones und die verschleppten Übergang und die abrupten Wendungen. Schon in diesem Werken aus den Jahren 1793 bis 94 erahnt man, was später einmal die Gattung Romantik ausmachen wird, auch wenn das Klangbild der Klassik verhaftet.

Das Hammerklavier zeigt deutlich Reminiszenzen an das Cembalo. Gerrit Zitterbart zaubert aus dem Holzkonstrukt einen warmen, leicht näselnden Klang. Dann geht er ganz zurück an die Anfänge der Karriere des Instrumentes, das das folgende Jahrhundert dominieren wird. Im Klaviertrio Es-Dur ist der Hammerflügel  das tonangebenden Instrument, auch wenn es immer wieder den Dialog mit den Streichern, vornehmlich mit der Violine sucht.

Hier liegt die Stärke des Abegg Trios seit seinen Anfangstagen: das intuitive Verständnis von drei starken Instrumentalisten. Durch alle drei Stücke der Soiree hindurch ist es dieser Dialog, dieser nahtlose Wechsel der Solisten, der für Erstaunen sorgt.

Es ist nicht nur das freie Spiel der Soli, es ist auch die gleichbleibende Stärke in allen doch sehr unterschiedlichen Sätzen. Wenn man arglistig wäre, dann könnte man meinen, dass der 23-jährige Beethoven mit diesem Kompositionen im jugendlichen Überschwang zeigen wollte, was er am Tempowechsel für möglich und nötig hält.

Dennoch zeigt sich besonders im Adagio cantabile die Dominanz des Tasteninstrument gegenüber den Streicher. Dankenswerterweise verzichtet Zitterbart aber darauf, die Vorherrschaft deutlich auszuspielen. So bleibt für Ulrich Beetz noch genug Raum, seine Violine zur Geltung zu bringen.
Im Finale des ersten Stück kann das Publikum den gereiften Beethoven schon erahnen. Das Presto ist Sturm und Drang in Tönen. Es kommt mit einer Wucht daher, die die späteren Sinfonien auszeichnet und es bedarf schon der Klasse eines Abegg Trios, eben jene Dynamik verlustfrei mit nur drei Instrumenten auf die Bühne zu bringen.

Komplett anders klingt dann das Largo aus dem Trio G-Dur op 1.2. Nicht umsonst trägt es den Zusatz "con espressione", denn im Vorgriff auf die Romantik steht hier der Ausdruck, die Vermittlung von Gefühl im Vordergrund. Beetz, Erichson und Zitterbart liegt dies deutlich.

Der nächste Kontrapunkt ist das Menuetto quasi allegro im c-Moll Trio. Hier blickt Beethoven noch einmal zurück in die Musikgeschichte. Jeder einzelne Ton scheint zu hüpfen, der Urgewalt der Presti hat Beethoven die Leichtigkeit eines sommerlichen Tanzes gegenübergestellt. Bei aller Routine hat auch das Abegg Trio an dieser Unbeschwertheit und Luftigkeit seine Freude, die sich auf das Publikum überträgt. Die verkürzte Distanz zwischen Zuhörer und Künstler im Kapitelsaal tut ihr übriges dazu.

Der Klassiker Antonio Salieri soll ja mal die steile These aufgestellt haben, dass der Mensch nur eine begrenzte Zahl an Tönen aufnehmen kann. Der Frühromantiker Beethoven wollte mit diesen drei Werken wohl deren Anzahl ausloten. Das Abegg Trio hat im Kloster Walkenried auf jeden Fall jeden einzelnen davon zelebriert.

Ja, man sollte aufhören wenn's am schönsten ist. Geleistet hat das Abegg Trio Überragendes. Aber wie gesagt, die Abschiedstournee der Puhdys dauert ja immer noch an. Vielleicht nehmen sich Beetz, Erichson und Zitterbart ja auch daran ein Beispiel.

Thomas Kügler

 

Achern Oktober 2016

Die geisterhafte Seite der Romantik Das Abegg-Trio eröffnete die Fautenbacher Konzertsaison auf höchstem Niveau

Zwei bedeutende Jubiläen, 40 Jahre Acherner Kammermusikreihe und 40 Jahre Abegg-Trio, galt es zu feiern: Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello), Gerrit Zitterbart (Klavier) feierten sie am Sonntag mit entsprechendem musikalischen Glanz in der Alten Kirche Fautenbach.

Der Beginn 1976 im akustisch unterentwickelten Bürgersaal ließ noch nicht ahnen, dass sich daraus die beständigste Kammermusikreihe Deutschlands auf Rundfunk-Niveau entwickeln sollte. Dazu war die Rettungstat der Familie Bold nötig, die aus der verfallenden Alten Kirche einen Konzertsaal mit legendärer Akustik machte. An dieser Stelle der Ansprache von Prof. Lemme antwortete ihm spontaner Applaus aus vollbesetztem Saal. Und noch kaum zu ahnen war 1976 auch, dass die drei frisch diplomierten Künstler von Achern aus eine Weltkarriere in bislang 50 Länder starten sollten. Am Sonntag spielten sie Beethoven, Acker, Schubert.

Nach Beethovens Tod 1827 schrieb Schubert, die Wendung des Vorgängers zu neuen Ufern vor Augen, das Klaviertrio Es-Dur. Der Dichter E.T.A. Hoffmann war es, dem das Largo in Beethovens Klaviertrio D-Dur opus 70 “romantisch” und “geisterhaft” vorkam. So deuteten auch die Abeggs das gespenstische Wesen dieser Klänge: Ungeschönt brachen die schmerzhaften Block-Dissonanzen in den Saal oder verhallten irrlichternd zwischen den Tonarten, mitunter in kühn aufragenden Klangrätseln ohne harmonische Bindung oder Kontur.

In den fünf kurzen Sätzen des 1940 geborenen Dieter Acker, “Stigmen. Trio Nr. III”, ereignete sich im Grunde Verwandtes mit Beethovens “Geister-Largo” – hier wie dort öffnet die Komposition extrem weit die Spannweite der Töne nach oben und unten, wagt Tonschritte im sehr tiefen Bassbereich und meidet geläufige Takt-Metren. “Intimo e desideroso” (innig-sehnsuchtvoll) lautet eine Satzbezeichnung über abwärts gleitende Tongebilde. Eine andere, “Drammatico” ließe sich auch den drei Beethoven-Sätzen voranstellen.

Nach der Pause beglückte Schuberts Trio die Zuhörer. Die Vielseitigkeit des Ensembles, ein Ineinander von konstruktiver Emotion und geschliffener Form, umfasst eben auch die verführerische, die melodische Seite – und so gelangte bezwingender Wohllaut vor allem der beiden Streicher, aber auch die schmiegsam-elegant herabrieselnden Sextolen-Läufe des Pianisten ans Ohr der Zuhörer. In der Meisterschaft des Abegg-Trios wirkten die Kanon-Spiele des Scherzando-Allegro wie von tanzenden Fabelwesen. Warum ist Schubert für viele der am meisten geliebte Romantiker? Weil er den Charme des melodieführenden Cellos entdeckte? Es tauchte mit schmerzlicher Kantilene ins Reich von Schuberts Melancholie – wie ernst es darum stand, offenbarte die Moll-Tönung des Andante-Themas, dem man im Final-Allegro seltsamerweise noch zweimal begegnet. Ein Zufall? Schon ein Jahr danach trug man Schubert zu Grabe.

Der sehr herzliche Wiedersehens- und Wiederhörens-Applaus bescherte dem Publikum noch das hinreißende Presto aus Beethovens opus 1, G-Dur.

Dr. Albrecht Zimmermann

 

Hilchenbach Oktober 2016

Expedition in ein Konzert der Gegensätze

Hartmut Kriems freut sich beim Blick in den Theatersaal: Ein deutlich jüngeres Publikum hat sich unter die Kammermusik-Veteranen gemischt. Schüler des Gymnasiums Stift Keppel, bei denen die Künstler am nächsten Morgen zu Gast sein werden, um mit ihnen über Musik und Musikerfahrungen zu sprechen.

Das Programm des Abends eröffnet Ludwig van Beethovens Klaviertrio D-Dur, das so genannte „Geistertrio“. Damit ist der Mittelsatz gemeint: Ausdrucksstark, langsam und getragen hat er dennoch viele dynamische Steigerungen und scheint in seiner Expressivität der damaligen Zeit weit voraus. So transparent gestaltet hat man Beethoven noch selten gehört. Im Kon­trast dazu die beiden Außensätze so, wie man den Meister kennt: schnell, kraftvoll, energisch. Dieter Ackers „Stigmen“ könnten zu Beethoven keinen größeren Gegensatz bilden. Dieses „zeitgenössische Werk“ des in Rumänien aufgewachsenen Komponisten, der mit 30 Jahren nach Deutschland übersiedelte, kommt spröde daher. Die Rhythmen und Disharmonien erschließen sich dem Zuhörer nur in Ansätzen. Und wenn dies mit Mühen geschafft ist, sind die fünf kleinen Teile des kurzen Werks auch schon vorbei. Aber auch das macht den musikalischen Wert eines solchen Abends aus: Der Mut zu Neuem, Ungewohntem, das Risiko in Kauf nehmend, dass das Gehörte rätselhaft bleibt.Doch dann kommt Franz Schubert: Honig für die Ohren. Was dieser Tonkünstler in seinen nur 31 Lebensjahren geschaffen hat! Das in Dahlbruch aufgeführte Klaviertrio Es-Dur gehört in seinem melodischen Aufbau, den Harmonien und Rhythmen zu seinen reifsten Werken. Zwei Worte genügen, um das Werk zu beschreiben: einfach schön. Vor allem, wenn es von Musikern interpretiert wird, die sich blind verstehen. Beim Abegg-Trio genügen leichte Kopfbewegungen, Blicke, um sich zu verständigen. Man wünscht sich, dass sie mindestens noch das nächste glatte Trio-Jubiläum feiern. Dann wären sie die Rolling Stones der Klassik: 50 Jahre gemeinsam auf der Bühne.

Wolfgang Leipold, WAZ

 

Liebhabertheater Kochberg Juni 2016

Das Abegg-Trio ist zurück in Thüringen. Obwohl Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) der Franz-Liszt-Hochschule den Rücken kehrten und nach Münster beziehungsweise Hannover „auswanderten“, blieb der Kontakt zum Liebhabertheater Schloss Kochberg erhalten – zum Jubiläumskonzert, mit dem sie an vierzig Jahre gemeinsamen Musizierens, an lange öffentliche Anerkennung, Förderung und Zuspruch sowie an gemeinsam erworbene Meriten erinnern wollten, sind sie hierher zurückgekehrt, um den anheimelnd klassizistischen Raum mit den sorgfältig gerafften Gardinen im Hintergrund atmosphärisch in einen gutbürgerlichen Salon zu verwandeln.

Der Hörer spürt, hier ist die Musik der Klassik zu Hause, hereingetragen von Solisten, die sich in diese heute als schwer zu-gängig eingestufte Stilepoche bis zur Vollkommenheit hineingelebt haben und mit ihrem Spiel wie erforderlich Geist und Empfindung maßstabsetzend in der Waage zu halten vermögen. Drei frühe Klaviertrios, entstanden innerhalb eines Jahrzehnts zu Ende des 18. Jahrhunderts, entführten in diese Zeit, von der wir uns mental weit entfernt haben, in die wir aber gern zurückblicken, sobald – wie hier – ein Programm "Klang der Klassik" winkt, noch dazu ausgeführt auf "Instrumenten der Goethezeit", von denen sich ein aufmerksamer Hörer – und hier nicht umsonst – authentische Höreindrücke verspricht.

Allein das "Clavier" (Hammerflügel) von 1795 sorgte für ein bis in Kleinigkeiten transparentes, quasi klangneutrales Fundament, auf dem die Instrumentalisten in zweckkonzentrierter Form ihre Melodien spannen, sich verspielt Motive zuwarfen, sie auffingen, weiterführten, immer darauf bedacht, als Mittler aufzutreten und in dieser Weise die Feinheiten der Komposition sowie ihre spirituellen Glanzpunkte aus sich heraus zur Wirkung zu bringen.

Sie beherrschen eben noch die oft als überlebt angesehene Kunst, bei persönlicher Zurückhaltung in das Zentrum des Werkes vorzudringen, Musik aus ihrer Zeit heraus erleben zu lassen.

Von Haydn erklang das Trio E-Dur mit einem langsamen cis-Moll-Satz, dessen Stimmung sich in Beethovenmanier (Mondschein-Sonate) auf die Seele legte; von Mozart das Trio B-Dur KV 502, das sich bereits Ausflüge in eine scheinbare Romantik gestattete; und von Beethoven das Trio Es-Dur op. 1/1, dem unsere Musici die sprichwörtlich neutönerische Sprödigkeit nicht vorenthielten – Klassik eben in Perfektion!

 

Neubeuern Januar 2016

Perfektes Wechselspiel

Wenn das Abegg Trio in Neubeuern zu Gast ist, schlägt das Herz eines jeden Kammermusikliebhabers höher 

Dass Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) seit 40 Jahren in der ursprünglichen Besetzung spielen, ist ein seltener Glücksfall. Alle drei Musiker, die hervorragend miteinander harmonieren, berühren durch ihre sympathische Ausstrahlung, ihre kultivierte Eleganz und durch ein perfektes dialogisches Wechselspiel. Da stimmt jeder Einsatz und jedes kleinste musikalische Detail. Auf dem Programm des Konzertabends standen Kompositionen von Haydn, Beethoven und Brahms.

Mit souveräner Leichtigkeit erklang bereits das G-Dur Trio Hob.XV:25 von Joseph Haydn, das berühmte Trio all Ongarese. Seine große Popularität verdankt das Werk der schlichten Freundlichkeit und Eingängigkeit seiner Sätze. Das Abegg Trio bannte die Hörer nicht nur im sich dynamisch steigernden, Variationen reichen Andante, sondern auch dem verhaltenen, lyrischen Poco Adagio, das einen feierlichen Charakter besitzt. Wunderbar klang in diesem Satz die Verdoppelung der Melodie in Violine und Klavier, ein von Haydn in seinen späten Trios oft verwendeter instrumentatorischer Effekt. Das abschließende Zigeunerrondo im Presto hätte das Abegg Trio gleichwohl noch ein wenig stürmischer spielen können.

Zart und zurückgenommen begann Beethovens zweites Klaviertrio in G-Dur op. 1. Der perlende Ton des Klaviers, die singende Violine und der warme Celloklang betörten die Hörer. Bald setzte ein heiter leichtes, lebhaftes Spiel der Instrumente ein, entfalteten sich Themen mit melodischer Vollkommenheit und Empfindungsreichtum. Im andachtsvoll träumerischen Largo standen alle drei Musiker in einer subtilen musikalischen Balance, wenngleich das Klavier auch klanglich die Führung übernahm. Spielwitz, Beschwingtheit und Musikantentum kennzeichneten das Presto. Das beständige, turbulente Mit- und Gegeneinander der Instrumente faszinierte die Hörer. Die häufigen Tonwiederholungen spielte das Abegg Trio zugleich mit Temperament und Feingefühl.

Im Trio für Klavier, Violine und Cello H-Dur op. 8 von Johannes Brahms bewegt der Kopfsatz durch das liedhafte Hauptthema, das wegen seiner Emphase auf Mendelssohns „Lieder ohne Worte“zurückweist. Klang und Rhythmus beherrschten auch das Scherzo, dessen Melodie die drei Musiker mit schwelgerischer Leidenschaft zum Erklingen brachten. Feierlich und getragen wirkte der Dialog zwischen dem Klavier und den beiden Streichern im Adagio, schön anzuhören war die Liedmelodie im Mittelteil. Das Finale wechselte zwischen dem gehetzt wirkenden Hauptthema und einem pathetischen Seitenthema, das den verschatteten Charakter des Satzes nur gelegentlich aufhellte.

Die Zugabe nach dem stürmischen Beifall widmete das Abegg Trio dem künstlerischen Leiter der Neubeurer Schlosskonzerte Kurt Hantsch, der, wie Birgit Erichson es dankbar ausdrückte, als „treuester Veranstalter“ die drei Musiker schon viele Jahrzehnte begleitet. Es erklang das Andante moderato aus dem Dumky-Trio von Antonin Dvorak, für das die Zuhörer sich noch einmal mit heftigem Applaus bedankten.

 

Ettenheim Juli 2013

Klassiker der Wiener Schule, klassisch schön interpretiert

Das Abegg Trio erweist zum Abschluss des Ettenheimer Musiksommers dem Triumvirat Haydn, Mozart, Beethoven seine Reverenz.

Der Wiener Klassik hat im Ettenheimer Bürgersaal ein Hammerflügel Präsenz verliehen. Mozart, Haydn und Beethoven hatten einen solchen besessen. Gerrit Zitterbart hatte die Kopie dieses um 1800 von Anton Walter gebauten Instruments aus seiner Sammlung mitgebracht. Das Abegg Trio interpretierte mit dem Klaviertrio A-Dur von Haydn (Hobb.XV:18), Mozarts Trio in B-Dur (KV 502) und Beethovens viersätzigem op.1,3 Werke, die zwischen 1786 und 1794 in nur acht Jahren entstanden sind. Beim letzten Konzert des siebten Ettenheimer Musiksommers gelang eine unglaubliche Dichte in beglückender Verschiedenheit der teilweise aufeinander bezogenen Kompositionen. Auch weil Abegg seit 37 Jahren nicht nur für die Klassik eine Klasse für sich darstellt.

Der Flügel hell, perlend leicht gebaut mit geringer Saitenspannung nimmt einen sofort mit in eine Aufführungssituation zu Zeiten der Meister. Doch die lichte Härte, die die mit Leder bezogenen Hämmer erzeugen, will belauscht werden und führt in den wunderbaren Themen hinunter in Mozartsche Tiefe, wie in den heiteren Schlag einer "Bauernquarte" in Haydns Schlusssatz. Nicht immer ist das Tasteninstrument präsent, aber immer ist Ulrich Beetz (Violine) und Birgit Erichson (Cello) bei ihm. Schlafwandlerisch schön, voll dunklem Grundfluss sind alle Übergänge, natürlich und doch nuanciert ist jedes Detail. Abegg ist in einer Weise "zusammen", die den Blick in die Tiefe der Zeit und Komposition mit einbezieht. Das ist Klang, sowohl erprobte wie hellwache Intuition, eine Kraft, die Birgit Erichson mit ihrem tiefen Blick zu den Mitspielern im präsenten Pastell ihres Cellos jederzeit erwecken kann.

Beethoven greift in seinen kraftvollen Ideen am meisten aus. Stetige Glut im Gusstopf seines Kopfsatzes will geschmiedet sein. Und Abegg ist die Form in der das Feuer und der Funke lebt und nicht erkaltet. Glühende Crescendi, zauberhafte Leuchtkraft in einem Klaviertrio, das wie kein anderes die überraschend sonore Basslage des Flügels ausgiebig nutzt. Mehr als mit modernen Instrumenten wird hier Klang zu einem Erlebnis, das die Kompositionen in ein anderes Licht stellt. Und Abegg stellt mit seinem klangvollen Interpretationswillen viele in den Schatten, die nur auf Perfektion aus sind. So konnte der Charakter der Kompositionen gerade durch dieses sehr charakteristische Ensemble leben.

Als Beethovens Schlusssatz, das Prestissimo, rauschend seinem Schluss zueilt, besinnt sich der Komponist und Pianist Beethoven nochmal ganz auf den Klang des Instrumentes. Ganz allein trägt der Hammerflügel das letzte Glimmen des Themas in ein zauberhaftes Aufhören, dem die Streicher einen letzten Akzent verleihen. Ganz großer Applaus.

Und dankbar verliert man sich als Zuhörer in einer Zugabe, dem langsamen Satz aus Beethovens Trio in G-Dur. Über Beethovens Linie in diesem wunderbaren Klang fragt man sich, ob dieses Ausnahme-Ensemble wohl noch einmal nach Ettenheim kommen wird.

Der siebte Ettenheimer Musiksommer ist nun vorbei. Und unabhängig vom Wetter: Er war auch zuletzt klassisch schön.

 

 

Neubeuern Oktober 2011

Abegg Trio eröffnete Konzertsaison in Neubeuern

Kultivierter musikalischer Hochgenuss

Wenn im Herbst die Neubeurer Konzertsaison beginnt, kann sich der Kammermusikliebhaber auf hochkarätige Interpreten und Ensembles freuen. Den Auftakt im Schlosssaal machte das Abegg Trio, dem zuhören zu dürfen stets einen Hochgenuss bedeutet. Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) konzertieren seit mittlerweile 35 Jahren in gleicher Besetzung. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Hörer Ohren- und Augenzeuge einer faszinierenden musikalischen Reife, einer schwebenden Leichtigkeit der Interpretation wird, die staunen und dankbar macht.

Zunächst spielten die Musiker Haydns Klaviertrio in A-Dur Hob. XV/18, dessen lebhaft beschwingtes Allegro moderato mit seiner langen klangbetonten Exposition eine fantasieähnliche Wirkung erzeugt. Das lyrische Andante und das quirlige Finale erklangen in der Interpretation des Abegg Trios ungemein farbig und fein ausbalanciert.

Ihre ganze musikalische Ausdrucksvielfalt und differenzierte Klangkultur brachten die Musiker in Beethovens so genanntem "Geistertrio" in D-Dur Opus 70 zu Gehör. Das poetische Gesangsthema im Allegro vivace e con brio gleich nach dem stürmischen Beginn, das abwechselnd von beiden Streichern und dem Klavier aufgegriffen wurde, zeigte, dass das Abegg Trio zu einem einzigen Klangkörper verschmolzen zu sein schien. Dass das Cello wegen der Temperaturunterschiede im Saal immer wieder gestimmt werden musste, veranlasste Birgit Erichson zu der scherzhaften Bemerkung: "Mein Cello möchte noch in China sein." Erst vor drei Tagen nämlich seien die Musiker von einer China-Tournee zurückgekehrt.

Die Crescendo-Phasen und die fantasiereichen Trillereffekte im Klavier erklangen im ausdrucksstarken Largo mit großer Dynamik und Sensibilität. Selbst das virtuose Finalpresto spielte das Abegg Trio mit hochkultivierter Leidenschaft, mit lächelndem Charme und Eleganz.

Höhepunkt des Abends war Schuberts im Todesjahr Beethovens entstandenes Klaviertrio in B-Dur Opus 99. Die vielen lyrisch-sanften melodischen Momente, sein großer Reichtum an harmonischen Überraschungen, aber auch die thematische Vielfalt geben diesem Werk einen unvergleichlichen Zauber. Im ruhigen Allegro stehen die beiden Streicher dem Klavier gegenüber, dominieren parallele Oktaven, die wechselseitig von den Streichern und dem Klavier akkordisch begleitet werden.

Voller lyrischer Innigkeit spielte das Abegg Trio das zwischen Freundlichkeit und Leidenschaftlichkeit schwankende Andante, fröhliche Ausgelassenheit kennzeichnete das Scherzo, farbige Spieleffekte das abschließende Rondo. Nach stürmischem Beifall des Publikums spielten die Musiker zu Ehren des Beaux Arts Trios, ihrem berühmten Vorbild, mit spürbarer Freude einen Satz aus dem Dumky-Trio von Dvorák.

 

 

Walkenried Dezember 2010

Beständige Harmonie

Ein Kreuzgang im Winter kann christliche Duldsamkeit herausfordern: Selbst wenn – ganz und gar unmönchisch – eine Fußbodenheizung gegen den Frost vor den Mauern kämpft, kriecht dem Besucher an den Fensterplätzen die winterliche Kälte merklich in den Nacken. Doch dem Publikum beim traditionellen „Konzert zwischen den Jahren“ im Kloster Walkenried machte das nichts aus.

Denn mit dem Abegg Trio hatte sich ein hochkarätiges Kammermusik­ensemble angesagt – und mit Musik von Robert Schumann und Frédéric Chopin war Genuss programmiert. Die drei Musiker spielen dem allenthalben propagierten Beziehungspessimismus zum Trotz seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich zusammen und pflegen dabei eine sehr beständige Harmonie. Sie eröffneten ihren Abend mit Schumanns „Phantasiestücken“ op. 88, entgegen der höheren Opuszahl ein vergleichsweise früh entstandenes Werk, in dem hier und da noch ein bisweilen etwas verbissener Gestus der Experimentierfreude zu erblicken ist.

Dagegen ist Chopins frühes g-Moll-Trio ein ausgesprochen elegantes, lyrisch-tänzerisches Werk. Hier konnte Gerrit Zitterbart viel pianistisches Feuer entfachen und Cellistin Birgit Erichson mit satt tönenden Kantilenen aufwarten. Unaufdringlich und präzise fügte sich Geiger Ulrich Beetz ein.

Besonders aber in Schumanns d-Moll-Trio op. 63 zeigte sich die Meisterschaft der Kammermusiker in ihrem uneitlen, perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenspiel. Sie lassen immer dem den Vortritt, der thematisch Bedeutsames zu sagen hat und machen die motivischen Bezüge wunderbar deutlich. Ein kultivierter, anregender Abend. Für den Applaus gab es einen späten Schumann zum Dank: die Nummer eins aus den „Gesängen der Frühe“.

Michael Schäfer

 

Achern November 2009

Edler Wettstreit zwischen Fanny und Felix

Das Abegg Trio spielte Werke der Geschwister Mendelssohn-Bartholdy

Einmal - nein: viermal so richtig in Mendelssohn-Romantik schwelgen konnten Kammermusik-Liebhaber in der Alten Kirche Fautenbach mit einem Trio, das von Achern aus eine Weltkarriere startete: das Abegg Trio.

Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) spielen seit fast dreieinhalb Jahrzehnten in derselben Besetzung, von internationalen Ehrungen und Lobeshymnen überschüttet, inzwischen in der ersten Reihe berühmter Kammertrios. Dass sie immer wieder einmal an den Ausgangspunkt dieser märchenhaften Entwicklung zurückkehren, bescherte den treuen Kennern und den Neugierigen am Sonntag ein wundervolles Programm der Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn.
Hand aufs Herz: Waren denn die Unterschiede in der "Handschrift" von Felix und Fanny am Sonntag so leicht zu erkennen? Zwar bewegt sich die Häufigkeit von Werkaufführungen Fannys im Vergleich zum allgegenwärtigen Bruder im Promille-Bereich. Dennoch wurde Fannys Klaviertrio d-Moll (1846) vom Abegg Trio so ernst genommen, dass der Schmelz der Cello-Kantilenen, der wild bewegte Durchführungsteil des Allegro molto vivace, der berückende Zwiegesang von Violine und Cello im Andante sowie die schmiegsamen Legato-Passagen der drei Instrumente im "Allegretto-Lied" sich in Zuhörer-Ohren wie "echt Mendelssohn" anhörten.

Fanny war Felix' erste Lehrmeisterin, wurde aber vom Vater (nicht vom künftigen Ehemann!) auf die Mutterrolle verwiesen, während der jüngere Bruder früh gereift nach den Sternen greifen durfte. Mag sein, dass man aus seinem d-Moll-Trio op.49 mehr satztechnische Meisterschaft in der Verschmelzung romantischer Melodien mit polyphonen Standards heraushörte. Ein Alleinstellungsmerkmal von Felix ist zweifellos sein Scherzo-Typus, den er im "Sommernachtstraum" erfunden hat. Ihm begegnete man auch in den beiden Trios d-Moll und c-Moll: Mit Hochgeschwindigkeit jagten sie in der Abegg-Interpretation dahin, mit geworfenen Bögen mal lautstark und funkenstiebend, dann aber als köstlicher Geisterspuk oder in rasender Gaukler-Manier, ein wirbelnd-schwungvolles Spiel der drei Künstler, als kostete es keine Anstrengung. Noch fünf hauchzart gezupfte Moll-Akkorde - und der Spuk war vorbei.

Vorbildlich im homogenen Zusammenspiel und wie kein anderes Ensemble erfahren mit der spezifischen Akustik, vollbrachten die Abeggs wahre Klangwunder mit den Mendelssohn-Partituren: Da gelangen dem Pianisten während sanft perlender Läufe unvermittelt Aufschwünge in blitzende Höhen, tönten die beiden Streicher auf ihren kostbaren alten Instrumenten in sensibler Abstufung, so dass nicht zu sagen war, welche der Stimmen führte und welche begleitete, weil wechselseitig eine die andere euphorisch überhöhte. Alle Werke standen in Moll - doch welch ein Aufleuchten, wenn schwebend-leicht ein Dur-Seiten-Thema sich verheißungsvoll auftat!

Auch nach all den Jahren merkt man den drei Künstlern keinerlei altmeisterliche Routine an, sondern es eint sie hohe Konzentration, wenn sie etwa im d-Moll-Final-Allegro die geballte Energie zunächst nur Sekunden lang spüren lassen, ehe sie später voll durchbricht. Nach wie vor wärmt ihr rhapsodisches Feuer auch anspruchsvollste Trio-Literatur. Für den reichen, herzlichen Beifall in ihrer ersten musikalischen Heimat beschenkten Cellistin und  Pianist die Zuhörer mit dem vierten Werk des Konzertes: mit Felix' Duo opus 109, „Lied ohne Worte“.

Dr. Albrecht Zimmermann

 

Salzburg Dezember 2008

Die Geister von Opus 1

Das Abegg Trio gastierte mit Beethovens Klaviertrios op. 1 im Solitär der Universität Mozarteum. - Eine überwältigend spannungsreiche Begegnung mit der ersten von Beethoven veröffentlichten Werkgruppe.

Hin und wieder ein diskreter Huster, unvermeidlich in der winterlichen Hochzeit von Verkühlung und Co, sonst konzentrierte Aufmerksamkeit eines Publikums, wie man es gerne öfter im Konzert um sich haben würde.

Die Konzertreihe „Alles Beethoven & Schubert“ im Solitär der Universität Mozarteum ist ein Phänomen: ein Kammermusikzyklus, der sich innerhalb weniger Monate zu einer fixen Größe für ein kundiges Publikum entwickelt zu haben scheint. Und das in einer Stadt, in der die Kammermusik zeitweise totgesungen wurde. Selbst ein namhafter Veranstalter wie die Internationale Stiftung Mozarteum hat einige Jahre gebraucht, um einen vergleichbaren Zyklus zu positionieren. Tatsächlich gab - zeitgleich mit dem Abegg Trio im gut besuchten Solitär - bei der Stiftung im kleineren, aber ausverkauften Wiener Saal der junge amerikanische Pianist Kit Armstrong einen immerhin bemerkenswerten Klavierabend. Es gibt also eine gar nicht so kleine Kammermusik-Klientel in Salzburg. Man muss sie nur mit Qualität anzusprechen wissen.

Mit den Trios op. 1 von Ludwig van Beethoven hat das Abegg Trio dem Salzburger Publikum jedenfalls ein Festspielkonzert mitten im Advent beschert. Die drei Klaviertrios entwickeln sich charakterlich vom heiteren Es-Dur-Trio über das verhaltener werdende G-Dur-Trio bis zum fast schon zerrissen wirkenden c-Moll-Trio quasi in einem einzigen dramaturgischen Bogen. (Fast hätte man sich den Verzicht auf die Pause vor der Nummer 3 gewünscht. Aber das wäre für Künstler und Zuhörer wohl gleichermaßen zu anstrengend geworden.)

Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) spielen seit 1976 in unveränderter Besetzung zusammen. 2006 feierte das Abegg Trio sein dreißigjähriges Bestehen. Das hört man: Diese Einheitlichkeit und Homogenität in Klang und Phrasierung! Dieses bewusste aufeinander Hören und dieser gemeinsame „Atem“, die kleinster Verzierung und größter Kantilene einheitliche Plastizität und durchgestaltete Spannung verleihen! Das kann nur die Frucht langjährigen miteinander Arbeitens sein. Allein der traumschöne Dialog im Andante der Nr. 1 zwischen Geige und Cello, dem das Klavier Glanzlichter aufsetzte: So etwas hört man nur in Sternstunden.

Dabei setzen die Abeggs keineswegs ausschließlich auf „Schönklang“. Die Unisono-Wendungen etwa im Scherzo ebenfalls der Nr. 1 entladen sich zwar immer wieder sofort in übermütiges „Trillern“, dennoch sind Unruhe, Zerrissenheit und dunklere Farben schon hier angelegt. Auch das Trio Nr. 2 hat etwas Geisterhaftes, Irrlichterndes, besonders natürlich im Finale. Wenn auch nur für Augenblicke: Aber es sind Geister, die hier fröhlichen Reigen tanzen.

Seltsamerweise fiel dann die Nr. 3 c-Moll längst nicht so radikal zerrissen und beunruhigend aus, wie die beiden ersten Interpretationen erwarten haben lassen. Es war fast, als hätten die Künstler ihr Publikum ein wenig schonen und ihnen nicht die ganze Tiefe der Abgründe in diesem Werk des jungen Beethoven zumuten wollen.

Heidemarie Klabacher

 

Bad Aibling Januar 2008

Üppig-sinnlich und fantastisch

Das berühmte Abegg-Trio zu hören und zu sehen ist ein einziger Genuss: Die Drei spielen mit rückhaltloser Hingabe, jugendlicher Frische, innerlich glühenden Intensität und fein austariertem Klang, scheinen ihr Spiel selbst zu genießen und immer wieder erstaunt über das zu sein, was da an Perfektizität und selbstverständlicher Souveränität dabei herauskommt. Selten entfaltet sich ein Celloklang in einem Trio so sanghaft rein wie der von Birgit Erichson, selten ordnet sich das Klavier so dienlich ein und übernimmt so unauffällig dann doch, wenn's darauf ankommt, die Führung wie unter den Händen von Gerrit Zitterbart und selten agiert ein Geiger so uneitel und doch so unauffällig führend wie Ulrich Beetz. Ihr Klang ist von durchsonnter Helligkeit: Schönheit im Glanze planender Vernunft. Der Abend im Bad Aiblinger Kurhaus gehörte Dimitri Schostakowitsch. Das Klaviertrio Nr.1, das dieser mit 17 Jahren komponiert hat, zeigt schon die Pranke des Löwen. Das Füllhorn an lyrischen, grotesken, virtuosen und pathetischen Einfällen schüttete das Abegg-Trio mit imponierendem Schwung aus, lyrisches Singen mit betörendem Wohlklang und schneidend blitzende Schärfe miteinander mischend. Sein zweites Trio schrieb Schostakowitsch, als ein Freund von ihm starb, uraufgeführt wurde es im November 1944 im befreiten Leningrad. Das Fugato des Kopfsatzes spielen die Drei wie ein wirkliches melodisches Gespräch mit fast didaktischem Überzeugungseifer und ansteckender Mitteilungsfreude, als wollten sie dieses Werk zum ersten Mal vorstellen. Nach dem mitreißend tanzlustigen zweiten Satz kommt dann das Zentrum des Werks: eine monumentale Passacaglia über liegenden Klavierakkorden, vom Abegg-Trio mit in Trauer schmelzender Schönheit gesungen, eine Passacaglia, die dann in einen erschütternden Trauermarsch mündet, vom Trio in einer aufpeitschenden Steigerung gestaltet.

Zwischen diesen stand ein Trio, das Michael Obst, geboren 1955, zum dreißigsten Geburtstag des Abegg-Trios im Jahre 2006 komponiert hatte und dessen Titel fast schon selbst Musik ist: «8 musikalische Reflektionen über Dimitri Schostakowitsch, denen ein Prolog vorangestellt, 6 Zwischenspiele eingefügt und ein Epilog angefügt wurde.» Die «Reflektionen» tragen Titel wie «…rough enough…«, also möglichst rauh, oder «…as Laurie did before», der einer Crossover-Sängerin gewidmet ist. Gerrit Zitterbart erklärte in seiner freundlich werbenden Einführung, dass kompositorische Grundlage dieser Musik die Töne D-Es-C-H seien, also die Initialen von Dimitri Schostakowitsch, dass man sich treiben lassen solle, versprach, dass in dieser Musik «etwas passiere» - und in der Tat, es war höchst spannend, was da passierte. Verwehte Tanzrhythmen, chromatische Schleifer, Tonrepetitionen, Flageolett-Klänge, harte Akzente, Tonreibungen, mystisches Flimmern, Unisono-Gesänge der Streicher, wilde Streicherattacken und breit-pastose Klangflächen, dazu ein raffinierter Pedaleinsatz beim Klavier, der einen fahl-halligen Klang produziert: Michael Obst bietet hier eine reiche Palette an Ausdrucksformen und eine Überfülle an musikalischer Fantasie. Moderne Musik, die dennoch nicht ohrenquälend modern ist, sondern höchst raffiniert die Klangmöglichkeiten der Instrumente ausnützt statt sie verneint.

Heftiger Beifall der kleinen Kennerschar im Saal zeigte, dass auch moderne Musik üppig-sinnlich und fantastisch sein kann. Was kann man danach noch zugeben? Das Abegg-Trio wählte das geisterhaft wirbelnde Scherzo aus dem Klaviertrio Nr. 2 von Brahms.

Rainer W. Janka

 

Göttingen Mai 2007

Außerirdische Töne - Abegg Trio im Deutschen Theater Göttingen

Angekündigt war der Abend mit dem Abegg-Trio im Deutschen Theater zunächst als ein reines Schubert-Programm. Doch die drei Musiker hatten es sich anders überlegt: Sie stellten dem abschließenden B-Dur-Trio Schuberts den frühen Triosatz c-Moll und das e-Moll-Trio von Dmitri Schostakowitsch gegenüber.

Eine gute Entscheidung. Denn Kontraste beleben einen solchen Kammermusikabend entschieden – und zudem ist der Klang des Bösendorfer-Flügel, den Pianist Gerrit Zitterbart an diesen Kammermusikabenden benutzt, für Schostakowitsch vielleicht doch noch besser geeignet als für Schubert. Das gilt vor allem dann, wenn, wie im Falle Zitterbart, die Musikerohren den leichten, feinen Klang historischer Instrumente bei Schubert schätzen gelernt haben.

Gerade mal 17 Jahre alt war Schostakowitsch, als er 1923 das c-Moll-Andante komponierte. Kein Wunder, dass da all die Musik, die ihn umgab, mit eingeflossen ist, spätromantische Brahms- und Tschaikowsky-Klänge ebenso wie das feine Parfüm Debussys. In der Selbstverständlichkeit aber, mit der der Komponist scheinbar unvereinbare Gegensätze aufeinanderprallen lässt, lugt schon der reife Schostakowitsch hindurch.
Die drei Musiker – neben Zitterbart der Geiger Ulrich Beetz und die Cellistin Birgit Erichson – boten sowohl in den jugendlich schwelgenden Tönen wie in den zarten Akkordtupfern und flirrenden Klängen des jungen Schostakowitsch viele, viele Farbnuancen.

Die zeigten sie ebenso in Schostakowitschs e-Moll-Trio aus dem Jahre 1944. Doch das musikalische Gewicht dieser Komposition, eines der kammermusikalischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts überhaupt, ist unvergleichlich größer. Geradezu außerirdische Töne schlägt es an, ist hier tieftragisch, dort bitter grotesk, hier sanft und zart, dort kraftbetont bis zur Brutalität: eine Musik, die Grundfragen der Existenz aufwirft. Das gestalteten die Musiker des Abegg-Trios mit bezwingender Gestaltungskraft, mit durchdachter Dramaturgie und selbstverständlicher technischer Souveränität.

Vor diesem Hintergrund konnte Schuberts B-Dur-Trio zum Schluss seine Wirkungen besonders reich entfalten. Es ist dies eben nicht nur eine unglaublich schöne, harmonische Musik, sondern auch hier sind immer wieder – im Hintergrund zwar, aber doch hindurchzitternd – existenzielle Abgründe verborgen. Ganz leicht und locker, doch stets rhythmisch profiliert gestalteten Zitterbart und seine Kollegen dieses Werk und entließen das begeistert applaudierende Publikum in den milden Frühlingsabend, an dem dann abendliche Singvögel Schuberts himmlische Musik fortsetzen konnten.

Michael Schäfer

 

Walkenried Juni 2006

Auftaktveranstaltung der Walkenrieder Kreuzgang-Konzerte

Wenn die Darmsaiten singen dürfen

Ein Cello aus Mozarts Geburtsjahr. Eine Geige aus dem Jahr 1724. Und ein Hammerflügel, ein Nachbau eines Instruments, wie es Mozart selbst benutzt hat. Bevor das Abegg-Trio am Samstagabend beim Auftakt der Kreuzgangkonzerte im Kloster Walkenried sein Konzert begann, stellte es seine historischen Instrumente vor. Im Mozartjahr ein Mozart-Abend – mit vier Klaviertrios – auf Instumenten der Mozart-Zeit. Der Hammerflügel klingt weniger voluminös als ein moderner Konzertflügel, die historischen Streichinstrumente mit ihren Darmsaiten weniger brillant als moderne Instrumente mit ihren Stahlsaiten, dafür haben sie den Charme eines dezenten, intim wirkenden Klanges. Nun kündigte also auch das Abegg-Trio, das sich vor 30 Jahren in Hannover gegründet hat und seine Wurzeln nicht zuletzt auch in romantischer Musik hat, Historisierendes an. Alles gut und schön. Beschliche einen da zu Beginn des Abends nicht auch diese Sorge, die sich einstellt, wenn man Ensembles gehört hat, die es mit der so genannten „historischen Aufführungspraxis“ übertrieben haben. Denn viele von diesen Ensembles, die auf historischen Instrumenten zu wissen glauben, wie das Ganze zu Zeiten der alten Meister geklungen haben muss, kommen arg puritanisch daher: Sie verkriechen sich im intimen Klang der Darmsaiten, meiden Spitzen in der Lautstärke, verdammen jedes Vibrato als unzulässige Sentimentalität oder Romantisierung. Wie ein sinnenfeindlich-asketischer Mönch, der außer dem Zölibat auch noch gleich ein Fasten- und Schweigegelübde abgelegt hat und sich den ganzen Tag im kargen Studierzimmer verbarrikadiert. Und dann auch noch Mozart, dessen Musik sowieso oft missverstanden wird und allzu behaglich-harmlos ohne dramaturgische Spitzen gespielt wird. Ohne Emotionen, ohne Spannung, ohne Sinnenfreude, wie ein Mönch, der... – aber das hatten wir schon. Doch dann dieser Akkord. Es ist der erste des Abends, und er erklingt nicht, sondern er explodiert geradezu, ist laut, bestimmt und mit reibendem Basston im Cello. Er elektrisiert – und gibt die Richtung für das Konzert vor, dessen Auftakt er bildet. Das Abegg-Trio macht sofort klar: An diesem Abend wird nicht nüchtern historisiert, sondern da wird die prickelnde Spannung und Mozarts Hintersinn gesucht. Weil Gerrit Zitterbart auf dem Hammerflügel Spannungsbögen herauskitzelt, obwohl der Flügel äußerst dezent klingt. Weil Ulrich Beetz die Darmsaiten wunderbar singen lässt. Und weil Cellistin Birgit Erichson in jedes Motiv tief eintaucht und darin Leidenschaft und Ausdruckskraft findet. Auffällig ihre Basstöne, die sie nie nur als harmonisches Fundament begreift, sondern stets auch als effektvolles dramaturgisches Mittel. So gelingen dem Ensemble im G-Dur-Trio (KV 564) mitreißende Kontraste, im C-Dur-Trio (KV 548) drängende Motive im langsamen Satz. Mozart sei auf einem Hammerflügel wie Zitterbart ihn am Samstag spielte, an die Grenzen des Instruments gegangen, sagte Zitterbart, als er zu Beginn des Konzerts das Instrument vorstellte. Dass alle drei Musiker am Samstag die Grenzen ihrer Instrumente suchten, um bei Mozart das Intensive, Ausdrucksstarke und auch Humorvolle, nicht aber das brav-behagliche zu suchen, machte das Konzert zu einem aufregenden Abend, der entsprechenden Applaus erntete und in Erinnerung bleiben wird. Und die Missetaten so mancher historisierender Klangasketen vergessen ließ.

Eike Brunhöber

 

Frankfurt 2005

Feinarbeit, samtig-weich · Abegg-Trio in Preungesheim

Soviel Filigranarbeit muten sich nur wenige Ensembles zu. Jüngere zumal schlagen heute meistens einen rauheren Ton an. Das Abegg-Trio demonstrierte jedoch in der Frankfurter Festeburgkirche ein Ensemblespiel alter Schule in Perfektion. Bei den leisen Partien fein differenzierend, zwangen Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Cello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) mit Beethovens Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 1 Nr. 3 das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten, für hervorragende Akustik bekannten Kirche in Preungesheim zu konzentriertem Zuhören. Klassisch ebenmäßig klang das, ohne daß etwa die Klavierläufe im Kopfsatz ihre für Beethoven charakteristische, düstere c-Moll-Färbung einbüßten.
Überhaupt trug Zitterbart mit seinem angenehm trockenen Spiel und der stimmigen Gewichtung seines teils fast konzertanten Parts viel zum positiven Gesamteindruck bei. Die thematische Klarheit in den Variationen, die lupenreine Tongebung und im Finale das präzise rhythmische Miteinander taten ein übriges. Anstelle von Ulrich Beetz fügte sich im weiteren Verlauf Martin Spangenberg in ein ebenso exzellent balanciertes Klangbild: Mit Geschmeidigkeit verfolgte der frühere Soloklarinettist der Münchner Philharmoniker, der an der Weimarer Musikhochschule lehrt, im Trio für Klavier, Klarinette und Cello a-Moll op. 114 von Brahms auch sonst einen übereinstimmenden klangästhetischen Ansatz – kultiviert, samtig-weich und warm im Dialog mit dem von Birgit Erichson sanglich vorgetragenen Cello-Part in den langsameren Binnensätzen, ohne grobschlächtige Wildheit, sehr kontrolliert im Schlußsatz mit seinen ländlerhaften Anflügen.

Eine ähnlich tänzerisch inspirierte Erfindung behielt etwas später ebenso ihren artifiziellen Charakter: Den »Assez vif« überschriebenen zweiten Satz im Klaviertrio von Maurice Ravel ließen die Feingoldschmiede des Abegg-Trios nicht zu vordergründig stark ins spanisch oder baskisch Folkloristische abgleiten. Statt dessen bediente sich das seit 1976 in unveränderter Besetzung auftretende Ensemble zarter Farben und feiner Schattierungen und verstärkte so wirkungsvoll gerade die geheimnisvollen Züge und statisch-verharrenden Momente des 1914 komponierten, einzigen Beitrags von Ravel zu der Gattung. Nicht zuletzt dank Zitterbarts Zugriff kam im Finale die Harmonik mit ihren Rückungen zu voller Geltung. Die Zugabe war das quirlig vorgetragene Scherzo aus dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Mendelssohn.
Guido Holze


Wiesbaden 2004

Farbige Lebendigkeit · Abegg Trio bei der Mozart-Gesellschaft

Sie haben die ganze Welt bereist und sind unermüdlich dabei. Aber das sonntägliche Konzert im Christian-Zais-Saal des Kurhauses war von ganz eigenem Licht überglänzt. Als die drei Musiker (Ulrich Beetz, Violine, Birgit Erichson, Violoncello und Gerrit Zitterbart, Klavier) im Jahre 2000 an gleicher Stelle gastierten, schien die Zusammenarbeit des Ensembles durch Krankheit gefährdet. Damals bangten sie, heute sind sie wieder gesund und man spürte es: Der Abend stand unter einem besonders glücklichen Stern.

Es begann mit Mozarts C-Dur-Trio KV 548, ein heiteres Werk, nur im Andante schimmert leise Melancholie auf. Dem Pianisten fällt eine tragende Rolle zu. Gerrit Zitterbart nutzte diese Möglichkeit ohne sich je in den Vordergrund zu drängen. Er gab den elanvollen Auftakt, dabei blieb die Ausgewogenheit des Zusammenspiels stets erhalten. Im tänzerischen Finale mit folkloristischen Anklängen und farbigen Abstufungen spürte man die echte Freude der Künstler am eigenen Musizieren. Kleine Reminiszenzen wurden leicht hervorgehoben und belebten den Ablauf.

Im Zentrum des Konzertes stand Maurice Ravels a-Moll-Trio. Die unregelmäßigen Rhythmen, wie man sie in Volksliedern und -tänzen des Baskenlandes kennt, lassen in den Ecksätzen Bilder entstehen. Die Nachdenklichkeit kommt in Arpeggien zum Klingen, die wie glitzerndes Wasser wirken, ja zuweilen wie ein Abschied. Besonders eindrucksvoll die Passacaglia mit der vom Klavier intonierten Basslinie, in der Folge von Cello und Geige aufgenommen, ganz im Sinne Bachs gestaltet, streng polyphon gedacht. Der düstere, fast schwarze Grundton ändert sich nicht. Das Finale schließt sich mit großer Attitüde an. Die Musiker sorgten für spannenden Ablauf, für dichte, farbige Lebendigkeit. Es gab sprühende Momente, aber letztlich keine Heiterkeit. Der Bewegungsreichtum wurde mit selten eingedämmter Kraft ausgespielt und mit deutlich gesetzten Akzentuierungen bereichert.

Nach der Pause Beethovens Erzherzog-Trio op. 97. Bei der Uraufführung 1811 war der Komponist zum letzten Male als Pianist aufgetreten. Das intensive Miteinander kam in deutlich schwingende Bewegung. Die Komposition ist der sinfonischen Form angenähert, lebt von Stimmungskontrasten und von rhythmischer Lebhaftigkeit. Das Finale, mit scharfen Betonungen versehen, trägt zuweilen bärbeißige Züge, von unbändigem Temperament durchpulst. Richard Wagner hat diese Momente als »Peitschenhiebe« bezeichnet.

Mit einem Satz aus Dvoráks Dumky-Trio op. 90 bedankten sich die Künstler für die große Zustimmung der Hörer, die dem musikalischen Geschehen konzentriert gefolgt waren. Hier bezauberten der böhmische Musiziergeist, der Wohlklang des Geigentones, das leise Glissando des Cellos und die einfühlsame Führung des Klavieres.

Ingrid Hermann

 

Helmstedt Oktober 2003

Quicklebendig ist sie, die launische Forelle. Und das Bächlein plätschert munter und glasklar über Stock und Stein. Man möchte am liebsten mitträllern bei dieser bestechend brillanten Aufnahme. Hat der Tonmeister aber auch perfekt gemischt, oder?

Tolle CD? – von wegen! Lieber nicht mitträllern – da wird ja tatsächlich live gespielt. Und kein Tonmeister in Sicht. Die Abstimmung ist wirklich unglaublich gut, der Klang faszinierend homogen. Abegg Trio – das ist so etwas wie ein Synonym für ausgereift und perfekt vorgetragene Kammermusik.

Schon mehr als ein Vierteljahrhundert lang musizieren Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Pianist Gerrit Zitterbart gemeinsam. Da reichen sparsamste Gesten, um jede dynamische Nuance deckungsgleich zu spielen. Das zeigt sich eindrucksvoll schon bei dem einsätzigen Klaviertrio op.8 von Dmitri Schostakowitsch, dessen kompositorisch einfallsreiche, teils brüske Stimmungswechsel mit aufrüttelndem Ungestüm in virtuoser Weise zu Gehör gebracht werden. Es setzt sich fort in Ludwig van Beethovens "Geistertrio".

Auch hier herrscht volle Einigkeit in der Interpretation. Kopfsatz und Finale erklingen mitreißend vehement, stehen in ausgeprägtem Kontrast zum mystischen Largo, dem die Komposition ihren Namen verdankt. Das Abegg Trio spielt diesen Mittelsatz geboten düster und eindringlich, ohne in pathetische Schwülstigkeit abzugleiten, bleibt vielmehr mit präsentem Ton stets angenehm real.

Zum „Forellenquintett“, dem wohl beliebtesten Kammermusikwerk von Franz Schubert, gibt es Verstärkung durch Reinhard Göbel (Viola) und France Beaudry Wichmann am Kontrabass. Die beiden ordnen sich perfekt ein, das Quintett wirkt wie aus einem Guss.

Minimale Differenzen im Zeitmaß zu Beginn des Andante werden unverzüglich geglättet. Die gewählten Tempi sind ausgesprochen straff, erzeugen dennoch eine geradezu tänzerische Unbeschwertheit. Die prasselnden Auftakte im Presto kommen mit schlaglichtartiger Prägnanz. Die Musiker wirken ungemein routiniert, agieren zugleich aber immer spielerisch und mit bezaubernder Leichtigkeit.

Gerrit Zitterbart meistert seinen Part am Bösendorfer Piano mit lächelnd vorgetragenen, fantastischen Läufen. Die Variationen im Andantino liefern plastische Tongemälde. Die Forelle, die laut Textvorlage "schoss in froher Eil‘ …vorüber wie ein Pfeil" – sie verdient ihren Namen, ist alles andere als ein träge im Gartenteich vor sich hin dümpelnder Goldfisch.

Das Publikum des 128. Juleumskonzertes ist offensichtlich fasziniert von dieser Art der Musik, die Power hat, unbändig und kraftvoll rüberkommt, und dabei dennoch so flüssig und eingängig ist, dass man einfach nur genießen kann. Es wird begeistert applaudiert, man möchte mehr. Die Musiker spielen – na klar! – die Forelle. Allerdings etwas abgespeckt, das Thema als reines Streichquartett. Ein ideal passender Ausklang.  

 

Köln Mai 2002

Die Kunst der Balance · Beethoven, Janácek, Dvorák - die Musiker bestachen durch technische Perfektion und Ausdrucksreichtum

Unter den Kammermusikensembles ist das Abegg Trio eine erste Adresse. Kaum zu glauben, dass dieses Dreierteam schon über ein Vierteljahrhundert zusammenarbeitet, ohne auch nur die geringsten Verschleiß- oder Routineerscheinungen zu zeigen. Im Meisterkonzert begannen Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) mit Beethovens Opus 1, Nr.2. Aus einer Haltung innerer Ruhe in Gang gesetzt und gehalten, verliehen die blitzblanke Artikulation, die Triebkräfte rhythmischer Exaktheit, die sich im Schlusssatz motorisch verdichten, den jugendlichen Noten Beethovens eine pointierte Leichtigkeit. Sie wirkte unter der Oberfläche sogar im empfindungsvollen Largo.

Bekannter als die teils durch Rekonstruktion wiedergewonnene Trio-Urfassung ist das »Kreutzer-Sonate« betitelte Streichquartett von Leos Janácek. Die 15 Jahre ältere Version wirkt vor allem durch die Möglichkeit, dem Klavier kompaktere klangliche Aufgaben zuzuweisen, noch expressiver als das Quartett. Das aus Tolstois Erzählung gespeiste Programm verschaffte sich im Spiel des Abegg-Trios nicht in nach außen gekehrter Theatralik Geltung. Die Erregung dieser sprachhaften Musik vibrierte umso intensiver in ihren Innenräumen, als die Interpreten sich streng auf die Feinabstimmungen beim Erspüren der Ausdrucks- und Dynamiknuancen konzentrierten. In Antonín Dvoráks »Dumky-Trio« klingen urwüchsige, aber auch melancholische Töne an, die die böhmische Musik genau so prägen wie die überschäumende Lebenslust. Da sich das Ensemble auch hier auf die Kunst der Balance verstand, in manchem ruhigen Moment geradezu nach Schubertschen Tiefen schürfte, um gleich darauf wie zum Tanz aufzuspielen, entfaltete sich der ganze Reichtum des mitreißenden Zyklus', der ein begeistertes Publikum zurückließ.


Hannover November 2001

Der alte Spielwitz · Sonntag mit Beethoven: Das Abegg Trio feiert Geburtstag

Der langen Warteschlange im Foyer der hannoverschen Musikhochschule zuliebe verzögerte sich der Konzertbeginn um ein paar Minuten, doch dann bescherte das Abegg Trio sich und seinem Publikum zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen in drei Etappen ein überwältigendes Abenteuer. Mit sämtlichen Klaviertrios von Beethoven knüpfte das Ensemble an seine Ende der achtziger Jahre vollendete Gesamtaufnahme an. Und der seinerzeit für Furore sorgende Spielwitz war wieder da. Das Schöne sei anspruchsvoll und ließe sich nicht abkürzen, unterstrich der Kritiker Joachim Kaiser in seiner anschließenden Laudatio auf das Abegg Trio, in der er den Musikern die leidenschaftliche Hingabe von Überzeugungstätern attestierte. Dem Publikum offenbarte sich die vom Abegg Trio beherzigte Kombination von Kunstsinn und musikalischer Leidenschaft, gleich ob die Ausdruckswelten der langsamen Sätze behutsam ausgelotet oder die kecken Passagen der Scherzi mit karikaturistischem Übermut akzentuiert wurden. Und wenn die raschen Schlusssätze nicht nur im Einklang mit Beethovens Tempovorschriften und Metronomzahlen sehr schnell (presto), sondern so schnell wie möglich (prestissimo) musiziert wurden, bewies das Abegg Trio ein weiteres Mal seine Topform. Mit dem Nachmittagskonzert gestattete sich das Ensemble einen Ausflug in unterhaltsamere Sphären. Sowohl Beethovens Variationen op. 44 und 121a als auch das »Gassenhauertrio« op. 11 weisen einzelne Variationen jeweils einem der drei Instrumente zu. Weit radikaler hat Beethoven das Gefüge seiner Veränderungen im Andante cantabile des zum Abschluss der drei Konzerte gespielten Erzherzogtrios organisiert – hier korrespondieren das durch die linke Klavierhand verstärkte Violoncello mit der vom Klavierdiskant unterstützten Violine. Und nicht nur hier offenbarte sich, dass der auf einen extrem schlanken Ton versessene Geiger Ulrich Beetz, die auf geschmeidigen Baritoncharakter ausgerichtete Violoncellistin Birgit Erichson und der zwischen zupackenden Akkorden und perlenden Läufen behände agierende Pianist Gerrit Zitterbart ihre ganz und gar nicht homogenen Instrumente zu einem vollkommenen Zusammenklang geformt haben. Kammermusik ist für das Abegg Trio eine Lebensaufgabe, und die gilt, wie der staunenswerte Sonntag mit Beethoven veranschaulichte, länger als ein Vierteljahrhundert.

Ludolf Baucke