Konzertkritiken
Neubeuern Oktober 2011
Abegg Trio eröffnete Konzertsaison in Neubeuern
Kultivierter musikalischer Hochgenuss
Wenn im Herbst die Neubeurer
Konzertsaison beginnt, kann sich der Kammermusikliebhaber auf hochkarätige
Interpreten und Ensembles freuen. Den Auftakt im Schlosssaal machte das Abegg
Trio, dem zuhören zu dürfen stets einen Hochgenuss bedeutet. Ulrich Beetz (Violine),
Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) konzertieren seit
mittlerweile 35 Jahren in gleicher Besetzung. Da ist es nicht verwunderlich,
dass der Hörer Ohren- und Augenzeuge einer faszinierenden musikalischen Reife,
einer schwebenden Leichtigkeit der Interpretation wird, die staunen und dankbar
macht.
Zunächst spielten die Musiker Haydns
Klaviertrio in A-Dur Hob. XV/18, dessen lebhaft beschwingtes Allegro moderato
mit seiner langen klangbetonten Exposition eine fantasieähnliche Wirkung
erzeugt. Das lyrische Andante und das quirlige Finale erklangen in der
Interpretation des Abegg Trios ungemein farbig und fein ausbalanciert.
Ihre ganze musikalische
Ausdrucksvielfalt und differenzierte Klangkultur brachten die Musiker in
Beethovens so genanntem "Geistertrio" in D-Dur Opus 70 zu Gehör. Das
poetische Gesangsthema im Allegro vivace e con brio gleich nach dem stürmischen
Beginn, das abwechselnd von beiden Streichern und dem Klavier aufgegriffen
wurde, zeigte, dass das Abegg Trio zu einem einzigen Klangkörper verschmolzen
zu sein schien. Dass das Cello wegen der Temperaturunterschiede im Saal immer
wieder gestimmt werden musste, veranlasste Birgit Erichson zu der scherzhaften
Bemerkung: "Mein Cello möchte noch in China sein." Erst vor drei
Tagen nämlich seien die Musiker von einer China-Tournee zurückgekehrt.
Die Crescendo-Phasen und die
fantasiereichen Trillereffekte im Klavier erklangen im ausdrucksstarken Largo
mit großer Dynamik und Sensibilität. Selbst das virtuose Finalpresto spielte
das Abegg Trio mit hochkultivierter Leidenschaft, mit lächelndem Charme und
Eleganz.
Höhepunkt des Abends war Schuberts im
Todesjahr Beethovens entstandenes Klaviertrio in B-Dur Opus 99. Die vielen
lyrisch-sanften melodischen Momente, sein großer Reichtum an harmonischen
Überraschungen, aber auch die thematische Vielfalt geben diesem Werk einen
unvergleichlichen Zauber. Im ruhigen Allegro stehen die beiden Streicher dem
Klavier gegenüber, dominieren parallele Oktaven, die wechselseitig von den
Streichern und dem Klavier akkordisch begleitet werden.
Voller lyrischer Innigkeit spielte das
Abegg Trio das zwischen Freundlichkeit und Leidenschaftlichkeit schwankende
Andante, fröhliche Ausgelassenheit kennzeichnete das Scherzo, farbige
Spieleffekte das abschließende Rondo. Nach stürmischem Beifall des Publikums
spielten die Musiker zu Ehren des Beaux Arts Trios, ihrem berühmten Vorbild,
mit spürbarer Freude einen Satz aus dem Dumky-Trio von Dvorák.
Achern
November 2009
Edler
Wettstreit zwischen Fanny und Felix
Das Abegg
Trio spielte Werke der Geschwister Mendelssohn-Bartholdy
Einmal -
nein: viermal so richtig in Mendelssohn-Romantik schwelgen konnten
Kammermusik-Liebhaber in der Alten Kirche Fautenbach mit einem Trio,
das von Achern aus eine Weltkarriere startete: das Abegg Trio.
Ulrich Beetz
(Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart
(Klavier) spielen seit fast dreieinhalb Jahrzehnten in derselben
Besetzung, von internationalen Ehrungen und Lobeshymnen überschüttet,
inzwischen in der ersten Reihe berühmter Kammertrios. Dass sie immer
wieder einmal an den Ausgangspunkt dieser märchenhaften Entwicklung
zurückkehren, bescherte den treuen Kennern und den
Neugierigen am Sonntag ein wundervolles Programm der Geschwister
Fanny und Felix Mendelssohn.
Hand aufs
Herz: Waren denn die Unterschiede in der "Handschrift" von
Felix und Fanny am Sonntag so leicht zu erkennen? Zwar bewegt sich
die Häufigkeit von Werkaufführungen Fannys im Vergleich zum
allgegenwärtigen Bruder im Promille-Bereich. Dennoch wurde Fannys
Klaviertrio d-Moll (1846) vom Abegg Trio so ernst genommen, dass der
Schmelz der Cello-Kantilenen, der wild bewegte Durchführungsteil des
Allegro molto vivace, der berückende Zwiegesang von Violine und
Cello im Andante sowie die schmiegsamen Legato-Passagen der drei
Instrumente im "Allegretto-Lied" sich in Zuhörer-Ohren wie
"echt Mendelssohn" anhörten.
Fanny war
Felix' erste Lehrmeisterin, wurde aber vom Vater (nicht vom künftigen
Ehemann!) auf die Mutterrolle verwiesen, während der jüngere Bruder
früh gereift nach den Sternen greifen durfte. Mag sein, dass man aus
seinem d-Moll-Trio op.49 mehr satztechnische Meisterschaft in der
Verschmelzung romantischer Melodien mit polyphonen Standards
heraushörte. Ein Alleinstellungsmerkmal von Felix ist zweifellos
sein Scherzo-Typus, den er im "Sommernachtstraum" erfunden
hat. Ihm begegnete man auch in den beiden Trios d-Moll und c-Moll:
Mit Hochgeschwindigkeit jagten sie in der Abegg-Interpretation dahin,
mit geworfenen Bögen mal lautstark und funkenstiebend, dann aber als
köstlicher Geisterspuk oder in rasender Gaukler-Manier, ein
wirbelnd-schwungvolles Spiel der drei Künstler, als kostete es keine
Anstrengung. Noch fünf hauchzart gezupfte Moll-Akkorde - und der
Spuk war vorbei.
Vorbildlich
im homogenen Zusammenspiel und wie kein anderes Ensemble erfahren mit
der spezifischen Akustik, vollbrachten die Abeggs wahre Klangwunder
mit den Mendelssohn-Partituren: Da gelangen dem Pianisten während
sanft perlender Läufe unvermittelt Aufschwünge in blitzende Höhen,
tönten die beiden Streicher auf ihren kostbaren alten
Instrumenten in sensibler Abstufung, so dass nicht zu sagen war,
welche der Stimmen führte und welche begleitete, weil wechselseitig
eine die andere euphorisch überhöhte. Alle Werke standen in Moll -
doch welch ein Aufleuchten, wenn schwebend-leicht ein
Dur-Seiten-Thema sich verheißungsvoll auftat!
Auch nach
all den Jahren merkt man den drei Künstlern keinerlei
altmeisterliche Routine an, sondern es eint sie hohe Konzentration,
wenn sie etwa im d-Moll-Final-Allegro die geballte Energie zunächst
nur Sekunden lang spüren lassen, ehe sie später voll durchbricht.
Nach wie vor wärmt ihr rhapsodisches Feuer auch anspruchsvollste
Trio-Literatur. Für den reichen, herzlichen Beifall in ihrer
ersten musikalischen Heimat beschenkten Cellistin und Pianist
die Zuhörer mit dem vierten Werk des Konzertes: mit Felix' Duo opus
109, „Lied ohne Worte“.
Dr. Albrecht
Zimmermann
Drehpunkt
Kultur Salzburg Dezember 2008
Die
Geister von Opus 1
Das
Abegg Trio gastierte mit Beethovens Klaviertrios op. 1 im Solitär
der Universität Mozarteum. - Eine überwältigend spannungsreiche
Begegnung mit der ersten von Beethoven veröffentlichten Werkgruppe.
Hin
und wieder ein diskreter Huster, unvermeidlich in der winterlichen
Hochzeit von Verkühlung und Co, sonst konzentrierte Aufmerksamkeit
eines Publikums, wie man es gerne öfter im Konzert um sich haben
würde.
Die
Konzertreihe „Alles Beethoven & Schubert“ im Solitär der
Universität Mozarteum ist ein Phänomen: ein Kammermusikzyklus, der
sich innerhalb weniger Monate zu einer fixen Größe für ein
kundiges Publikum entwickelt zu haben scheint. Und das in einer
Stadt, in der die Kammermusik zeitweise totgesungen wurde. Selbst ein
namhafter Veranstalter wie die Internationale Stiftung Mozarteum hat
einige Jahre gebraucht, um einen vergleichbaren Zyklus zu
positionieren. Tatsächlich gab - zeitgleich mit dem Abegg Trio im
gut besuchten Solitär - bei der Stiftung im kleineren, aber
ausverkauften Wiener Saal der junge amerikanische Pianist Kit
Armstrong einen immerhin bemerkenswerten Klavierabend. Es gibt also
eine gar nicht so kleine Kammermusik-Klientel in Salzburg. Man muss
sie nur mit Qualität anzusprechen wissen.
Mit
den Trios op. 1 von Ludwig van Beethoven hat das Abegg Trio dem
Salzburger Publikum jedenfalls ein Festspielkonzert mitten im Advent
beschert. Die drei Klaviertrios entwickeln sich charakterlich vom
heiteren Es-Dur-Trio über das verhaltener werdende G-Dur-Trio bis
zum fast schon zerrissen wirkenden c-Moll-Trio quasi in einem
einzigen dramaturgischen Bogen. (Fast hätte man sich den Verzicht
auf die Pause vor der Nummer 3 gewünscht. Aber das wäre für
Künstler und Zuhörer wohl gleichermaßen zu anstrengend geworden.)
Ulrich
Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart
(Klavier) spielen seit 1976 in unveränderter Besetzung zusammen.
2006 feierte das Abegg Trio sein dreißigjähriges Bestehen. Das hört
man: Diese Einheitlichkeit und Homogenität in Klang und Phrasierung!
Dieses bewusste aufeinander Hören und dieser gemeinsame „Atem“,
die kleinster Verzierung und größter Kantilene einheitliche
Plastizität und durchgestaltete Spannung verleihen! Das kann nur die
Frucht langjährigen miteinander Arbeitens sein. Allein der
traumschöne Dialog im Andante der Nr. 1 zwischen Geige und Cello,
dem das Klavier Glanzlichter aufsetzte: So etwas hört man nur in
Sternstunden.
Dabei
setzen die Abeggs keineswegs ausschließlich auf „Schönklang“.
Die Unisono-Wendungen etwa im Scherzo ebenfalls der Nr. 1 entladen
sich zwar immer wieder sofort in übermütiges „Trillern“,
dennoch sind Unruhe, Zerrissenheit und dunklere Farben schon hier
angelegt. Auch das Trio Nr. 2 hat etwas Geisterhaftes,
Irrlichterndes, besonders natürlich im Finale. Wenn auch nur für
Augenblicke: Aber es sind Geister, die hier fröhlichen Reigen
tanzen.
Seltsamerweise
fiel dann die Nr. 3 c-Moll längst nicht so radikal zerrissen und
beunruhigend aus, wie die beiden ersten Interpretationen erwarten
haben lassen. Es war fast, als hätten die Künstler ihr Publikum ein
wenig schonen und ihnen nicht die ganze Tiefe der Abgründe in diesem
Werk des jungen Beethoven zumuten wollen.
Heidemarie
Klabacher
Bad
Aibling Januar 2008
Üppig-sinnlich
und fantastisch
Das
berühmte Abegg-Trio zu hören und zu sehen ist ein einziger
Genuss: Die Drei spielen mit rückhaltloser Hingabe, jugendlicher
Frische, innerlich glühenden Intensität und fein
austariertem Klang, scheinen ihr Spiel selbst zu genießen und
immer wieder erstaunt über das zu sein, was da an Perfektizität
und selbstverständlicher
Souveränität dabei herauskommt. Selten entfaltet sich ein
Celloklang in einem Trio so sanghaft rein wie der von Birgit
Erichson, selten ordnet sich das Klavier so dienlich ein und
übernimmt so unauffällig dann doch, wenn's darauf ankommt,
die Führung wie unter den Händen von Gerrit Zitterbart und
selten agiert ein Geiger so uneitel und doch so unauffällig
führend wie Ulrich Beetz. Ihr Klang ist von durchsonnter
Helligkeit: Schönheit im Glanze planender Vernunft. Der Abend im
Bad Aiblinger Kurhaus gehörte Dimitri Schostakowitsch. Das
Klaviertrio Nr.1, das dieser mit 17 Jahren komponiert hat, zeigt
schon die Pranke des Löwen. Das Füllhorn an lyrischen,
grotesken, virtuosen und pathetischen Einfällen schüttete
das Abegg-Trio mit imponierendem Schwung aus, lyrisches Singen mit
betörendem Wohlklang und schneidend blitzende Schärfe
miteinander mischend. Sein zweites Trio schrieb Schostakowitsch, als
ein Freund von ihm starb, uraufgeführt wurde es im November 1944
im befreiten Leningrad. Das Fugato des Kopfsatzes spielen die Drei
wie ein wirkliches melodisches Gespräch mit fast didaktischem
Überzeugungseifer und ansteckender Mitteilungsfreude, als
wollten sie dieses Werk zum ersten Mal vorstellen. Nach dem
mitreißend tanzlustigen zweiten Satz kommt dann das Zentrum des
Werks: eine monumentale Passacaglia über liegenden
Klavierakkorden, vom Abegg-Trio mit in Trauer schmelzender Schönheit
gesungen, eine Passacaglia, die dann in einen erschütternden
Trauermarsch mündet, vom Trio in einer aufpeitschenden
Steigerung gestaltet.
Zwischen
diesen stand ein Trio, das Michael Obst, geboren 1955, zum
dreißigsten Geburtstag des Abegg-Trios im Jahre 2006 komponiert
hatte und dessen Titel fast schon selbst Musik ist: «8
musikalische Reflektionen über Dimitri Schostakowitsch, denen
ein Prolog vorangestellt, 6 Zwischenspiele eingefügt und ein
Epilog angefügt wurde.» Die «Reflektionen»
tragen Titel wie «…rough enough…«, also möglichst
rauh, oder «…as Laurie did before», der einer
Crossover-Sängerin gewidmet ist. Gerrit Zitterbart erklärte
in seiner freundlich werbenden Einführung, dass kompositorische
Grundlage dieser Musik die Töne D-Es-C-H seien, also die
Initialen von Dimitri Schostakowitsch, dass man sich treiben lassen
solle, versprach, dass in dieser Musik «etwas passiere» -
und in der Tat, es war höchst spannend, was da passierte.
Verwehte Tanzrhythmen, chromatische Schleifer, Tonrepetitionen,
Flageolett-Klänge, harte Akzente, Tonreibungen, mystisches
Flimmern, Unisono-Gesänge der Streicher, wilde Streicherattacken
und breit-pastose Klangflächen, dazu ein raffinierter
Pedaleinsatz beim Klavier, der einen fahl-halligen Klang produziert:
Michael Obst bietet hier eine reiche Palette an Ausdrucksformen und
eine Überfülle an musikalischer Fantasie. Moderne Musik,
die dennoch nicht ohrenquälend modern ist, sondern höchst
raffiniert die Klangmöglichkeiten der Instrumente ausnützt
statt sie verneint.
Heftiger
Beifall der kleinen Kennerschar im Saal zeigte, dass auch moderne
Musik üppig-sinnlich und fantastisch sein kann. Was kann man
danach noch zugeben? Das Abegg-Trio wählte das geisterhaft
wirbelnde Scherzo aus dem Klaviertrio Nr. 2 von Brahms.
Rainer
W. Janka
Göttinger Tageblatt 22.05.2007
Außerirdische
Töne - Abegg Trio
im Deutschen Theater Göttingen
Angekündigt
war der Abend mit dem Abegg-Trio im Deutschen Theater zunächst
als ein reines Schubert-Programm. Doch die drei Musiker hatten es
sich anders überlegt: Sie stellten dem abschließenden
B-Dur-Trio Schuberts den frühen Triosatz c-Moll und das
e-Moll-Trio von Dmitri Schostakowitsch gegenüber.
Eine
gute Entscheidung. Denn Kontraste beleben einen solchen
Kammermusikabend entschieden – und zudem ist der Klang des
Bösendorfer-Flügel, den Pianist Gerrit Zitterbart an diesen
Kammermusikabenden benutzt, für Schostakowitsch vielleicht doch
noch besser geeignet als für Schubert. Das gilt vor allem dann,
wenn, wie im Falle Zitterbart, die Musikerohren den leichten, feinen
Klang historischer Instrumente bei Schubert schätzen gelernt
haben.
Gerade
mal 17 Jahre alt war Schostakowitsch, als er 1923 das c-Moll-Andante
komponierte. Kein Wunder, dass da all die Musik, die ihn umgab, mit
eingeflossen ist, spätromantische Brahms- und
Tschaikowsky-Klänge ebenso wie das feine Parfüm Debussys.
In der Selbstverständlichkeit aber, mit der der Komponist
scheinbar unvereinbare Gegensätze aufeinanderprallen lässt,
lugt schon der reife Schostakowitsch hindurch.
Die
drei Musiker – neben Zitterbart der Geiger Ulrich Beetz und die
Cellistin Birgit Erichson – boten sowohl in den jugendlich
schwelgenden Tönen wie in den zarten Akkordtupfern und
flirrenden Klängen des jungen Schostakowitsch viele, viele
Farbnuancen.
Die
zeigten sie ebenso in Schostakowitschs e-Moll-Trio aus dem Jahre
1944. Doch das musikalische Gewicht dieser Komposition, eines der
kammermusikalischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts überhaupt,
ist unvergleichlich größer. Geradezu außerirdische
Töne schlägt es an, ist hier tieftragisch, dort bitter
grotesk, hier sanft und zart, dort kraftbetont bis zur Brutalität:
eine Musik, die Grundfragen der Existenz aufwirft. Das gestalteten
die Musiker des Abegg-Trios mit bezwingender Gestaltungskraft, mit
durchdachter Dramaturgie und selbstverständlicher technischer
Souveränität.
Existenzielle
Abgründe
Vor
diesem Hintergrund konnte Schuberts B-Dur-Trio zum Schluss seine
Wirkungen besonders reich entfalten. Es ist dies eben nicht nur eine
unglaublich schöne, harmonische Musik, sondern auch hier sind
immer wieder – im Hintergrund zwar, aber doch hindurchzitternd –
existenzielle Abgründe verborgen. Ganz leicht und locker, doch
stets rhythmisch profiliert gestalteten Zitterbart und seine Kollegen
dieses Werk und entließen das begeistert applaudierende
Publikum in den milden Frühlingsabend, an dem dann abendliche
Singvögel Schuberts himmlische Musik fortsetzen konnten.
Michael
Schäfer
Walkenried, Harzkurier Juni 2006
Auftaktveranstaltung
der Walkenrieder Kreuzgang-Konzerte
Wenn
die Darmsaiten singen dürfen
Walkenried.
Ein Cello aus Mozarts Geburtsjahr. Eine Geige aus dem Jahr 1724. Und
ein Hammerflügel, ein Nachbau eines Instruments, wie es Mozart
selbst benutzt hat. Bevor das Abegg-Trio am Samstagabend beim Auftakt
der Kreuzgangkonzerte im Kloster Walkenried sein Konzert begann,
stellte es seine historischen Instrumente vor. Im Mozartjahr ein
Mozart-Abend – mit vier Klaviertrios – auf Instumenten der
Mozart-Zeit. Der
Hammerflügel klingt weniger voluminös als ein moderner
Konzertflügel, die historischen Streichinstrumente mit ihren
Darmsaiten weniger brillant als moderne Instrumente mit ihren
Stahlsaiten, dafür haben sie den Charme eines dezenten, intim
wirkenden Klanges. Nun kündigte also auch das Abegg-Trio, das
sich vor 30 Jahren in Hannover gegründet hat und seine Wurzeln
nicht zuletzt auch in romantischer Musik hat, Historisierendes an.
Alles gut und schön. Beschliche einen da zu Beginn des Abends
nicht auch diese Sorge, die sich einstellt, wenn man Ensembles gehört
hat, die es mit der so genannten „historischen Aufführungspraxis“
übertrieben haben. Denn viele von diesen Ensembles, die auf
historischen Instrumenten zu wissen glauben, wie das Ganze zu Zeiten
der alten Meister geklungen haben muss, kommen arg puritanisch daher:
Sie verkriechen sich im intimen Klang der Darmsaiten, meiden Spitzen
in der Lautstärke, verdammen jedes Vibrato als unzulässige
Sentimentalität oder Romantisierung. Wie ein
sinnenfeindlich-asketischer Mönch, der außer dem Zölibat
auch noch gleich ein Fasten- und Schweigegelübde abgelegt hat
und sich den ganzen Tag im kargen Studierzimmer verbarrikadiert. Und
dann auch noch Mozart, dessen Musik sowieso oft missverstanden wird
und allzu behaglich-harmlos ohne dramaturgische Spitzen gespielt
wird. Ohne Emotionen, ohne Spannung, ohne Sinnenfreude, wie ein
Mönch, der... – aber das hatten wir schon. Doch dann dieser
Akkord. Es ist der erste des Abends, und er erklingt nicht, sondern
er explodiert geradezu, ist laut, bestimmt und mit reibendem Basston
im Cello. Er elektrisiert – und gibt die Richtung für das
Konzert vor, dessen Auftakt er bildet. Das Abegg-Trio macht sofort
klar: An diesem Abend wird nicht nüchtern historisiert, sondern
da wird die prickelnde Spannung und Mozarts Hintersinn gesucht. Weil
Gerrit Zitterbart auf dem Hammerflügel Spannungsbögen
herauskitzelt, obwohl der Flügel äußerst dezent
klingt. Weil Ulrich Beetz die Darmsaiten wunderbar singen lässt.
Und weil Cellistin Birgit Erichson in jedes Motiv tief eintaucht und
darin Leidenschaft und Ausdruckskraft findet. Auffällig ihre
Basstöne, die sie nie nur als harmonisches Fundament begreift,
sondern stets auch als effektvolles dramaturgisches Mittel. So
gelingen dem Ensemble im G-Dur-Trio (KV 564) mitreißende
Kontraste, im C-Dur-Trio (KV 548) drängende Motive im langsamen
Satz. Mozart sei auf einem Hammerflügel wie Zitterbart ihn am
Samstag spielte, an die Grenzen des Instruments gegangen, sagte
Zitterbart, als er zu Beginn des Konzerts das Instrument vorstellte.
Dass alle drei Musiker am Samstag die Grenzen ihrer Instrumente
suchten, um bei Mozart das Intensive, Ausdrucksstarke und auch
Humorvolle, nicht aber das brav-behagliche zu suchen, machte das
Konzert zu einem aufregenden Abend, der entsprechenden Applaus
erntete und in Erinnerung bleiben wird. Und die Missetaten so mancher
historisierender Klangasketen vergessen ließ.
Eike
Brunhöber
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.2.2005
Feinarbeit, samtig-weich · Abegg-Trio in Preungesheim
Soviel Filigranarbeit muten sich nur wenige Ensembles zu. Jüngere zumal schlagen heute meistens einen rauheren Ton an. Das Abegg-Trio demonstrierte jedoch in der Frankfurter Festeburgkirche ein Ensemblespiel alter Schule in Perfektion. Bei den leisen Partien fein differenzierend, zwangen Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Cello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) mit Beethovens Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 1 Nr. 3 das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten, für hervorragende Akustik bekannten Kirche in Preungesheim zu konzentriertem Zuhören. Klassisch ebenmäßig klang das, ohne daß etwa die Klavierläufe im Kopfsatz ihre für Beethoven charakteristische, düstere c-Moll-Färbung einbüßten.
Überhaupt trug Zitterbart mit seinem angenehm trockenen Spiel und der stimmigen Gewichtung seines teils fast konzertanten Parts viel zum positiven Gesamteindruck bei. Die thematische Klarheit in den Variationen, die lupenreine Tongebung und im Finale das präzise rhythmische Miteinander taten ein übriges. Anstelle von Ulrich Beetz fügte sich im weiteren Verlauf Martin Spangenberg in ein ebenso exzellent balanciertes Klangbild: Mit Geschmeidigkeit verfolgte der frühere Soloklarinettist der Münchner Philharmoniker, der an der Weimarer Musikhochschule lehrt, im Trio für Klavier, Klarinette und Cello a-Moll op. 114 von Brahms auch sonst einen übereinstimmenden klangästhetischen Ansatz – kultiviert, samtig-weich und warm im Dialog mit dem von Birgit Erichson sanglich vorgetragenen Cello-Part in den langsameren Binnensätzen, ohne grobschlächtige Wildheit, sehr kontrolliert im Schlußsatz mit seinen ländlerhaften Anflügen.
Eine ähnlich tänzerisch inspirierte Erfindung behielt etwas später ebenso ihren artifiziellen Charakter: Den »Assez vif« überschriebenen zweiten Satz im Klaviertrio von Maurice Ravel ließen die Feingoldschmiede des Abegg-Trios nicht zu vordergründig stark ins spanisch oder baskisch Folkloristische abgleiten. Statt dessen bediente sich das seit 1976 in unveränderter Besetzung auftretende Ensemble zarter Farben und feiner Schattierungen und verstärkte so wirkungsvoll gerade die geheimnisvollen Züge und statisch-verharrenden Momente des 1914 komponierten, einzigen Beitrags von Ravel zu der Gattung. Nicht zuletzt dank Zitterbarts Zugriff kam im Finale die Harmonik mit ihren Rückungen zu voller Geltung. Die Zugabe war das quirlig vorgetragene Scherzo aus dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Mendelssohn.
Guido Holze
Wiesbadener Kurier, 25.10.2004
Farbige Lebendigkeit · Abegg-Trio bei der Mozart-Gesellschaft
Sie haben die ganze Welt bereist und sind unermüdlich dabei. Aber das sonntägliche Konzert im Christian-Zais-Saal des Kurhauses war von ganz eigenem Licht überglänzt. Als die drei Musiker (Ulrich Beetz, Violine, Birgit Erichson, Violoncello und Gerrit Zitterbart, Klavier) im Jahre 2000 an gleicher Stelle gastierten, schien die Zusammenarbeit des Ensembles durch Krankheit gefährdet. Damals bangten sie, heute sind sie wieder gesund und man spürte es: Der Abend stand unter einem besonders glücklichen Stern.
Es begann mit Mozarts C-Dur-Trio KV 548, ein heiteres Werk, nur im Andante schimmert leise Melancholie auf. Dem Pianisten fällt eine tragende Rolle zu. Gerrit Zitterbart nutzte diese Möglichkeit ohne sich je in den Vordergrund zu drängen. Er gab den elanvollen Auftakt, dabei blieb die Ausgewogenheit des Zusammenspiels stets erhalten. Im tänzerischen Finale mit folkloristischen Anklängen und farbigen Abstufungen spürte man die echte Freude der Künstler am eigenen Musizieren. Kleine Reminiszenzen wurden leicht hervorgehoben und belebten den Ablauf.
Im Zentrum des Konzertes stand Maurice Ravels a-Moll-Trio. Die unregelmäßigen Rhythmen, wie man sie in Volksliedern und -tänzen des Baskenlandes kennt, lassen in den Ecksätzen Bilder entstehen. Die Nachdenklichkeit kommt in Arpeggien zum Klingen, die wie glitzerndes Wasser wirken, ja zuweilen wie ein Abschied. Besonders eindrucksvoll die Passacaglia mit der vom Klavier intonierten Basslinie, in der Folge von Cello und Geige aufgenommen, ganz im Sinne Bachs gestaltet, streng polyphon gedacht. Der düstere, fast schwarze Grundton ändert sich nicht. Das Finale schließt sich mit großer Attitüde an. Die Musiker sorgten für spannenden Ablauf, für dichte, farbige Lebendigkeit. Es gab sprühende Momente, aber letztlich keine Heiterkeit. Der Bewegungsreichtum wurde mit selten eingedämmter Kraft ausgespielt und mit deutlich gesetzten Akzentuierungen bereichert.
Nach der Pause Beethovens Erzherzog-Trio op. 97. Bei der Uraufführung 1811 war der Komponist zum letzten Male als Pianist aufgetreten. Das intensive Miteinander kam in deutlich schwingende Bewegung. Die Komposition ist der sinfonischen Form angenähert, lebt von Stimmungskontrasten und von rhythmischer Lebhaftigkeit. Das Finale, mit scharfen Betonungen versehen, trägt zuweilen bärbeißige Züge, von unbändigem Temperament durchpulst. Richard Wagner hat diese Momente als »Peitschenhiebe« bezeichnet.
Mit einem Satz aus Dvoráks Dumky-Trio op. 90 bedankten sich die Künstler für die große Zustimmung der Hörer, die dem musikalischen Geschehen konzentriert gefolgt waren. Hier bezauberten der böhmische Musiziergeist, der Wohlklang des Geigentones, das leise Glissando des Cellos und die einfühlsame Führung des Klavieres.
Ingrid Hermann
Braunschweigische Zeitung, Oktober 2003
, HELMSTEDT
Quicklebendig ist sie, die launische Forelle. Und das Bächlein plätschert munter und glasklar über Stock und Stein. Man möchte am liebsten mitträllern bei dieser bestechend brillanten Aufnahme. Hat der Tonmeister aber auch perfekt gemischt, oder?
Tolle CD? – von wegen! Lieber nicht mitträllern – da wird ja tatsächlich live gespielt. Und kein Tonmeister in Sicht. Die Abstimmung ist wirklich unglaublich gut, der Klang faszinierend homogen. Abegg Trio – das ist so etwas wie ein Synonym für ausgereift und perfekt vorgetragene Kammermusik.
Schon mehr als ein Vierteljahrhundert lang musizieren Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Pianist Gerrit Zitterbart gemeinsam. Da reichen sparsamste Gesten, um jede dynamische Nuance deckungsgleich zu spielen. Das zeigt sich eindrucksvoll schon bei dem einsätzigen Klaviertrio op.8 von Dmitri Schostakowitsch, dessen kompositorisch einfallsreiche, teils brüske Stimmungswechsel mit aufrüttelndem Ungestüm in virtuoser Weise zu Gehör gebracht werden. Es setzt sich fort in Ludwig van Beethovens "Geistertrio".
Auch hier herrscht volle Einigkeit in der Interpretation. Kopfsatz und Finale erklingen mitreißend vehement, stehen in ausgeprägtem Kontrast zum mystischen Largo, dem die Komposition ihren Namen verdankt. Das Abegg Trio spielt diesen Mittelsatz geboten düster und eindringlich, ohne in pathetische Schwülstigkeit abzugleiten, bleibt vielmehr mit präsentem Ton stets angenehm real.
Zum „Forellenquintett“, dem wohl beliebtesten Kammermusikwerk von Franz Schubert, gibt es Verstärkung durch Reinhard Göbel (Viola) und France Beaudry Wichmann am Kontrabass. Die beiden ordnen sich perfekt ein, das Quintett wirkt wie aus einem Guss.
Minimale Differenzen im Zeitmaß zu Beginn des Andante werden unverzüglich geglättet. Die gewählten Tempi sind ausgesprochen straff, erzeugen dennoch eine geradezu tänzerische Unbeschwertheit. Die prasselnden Auftakte im Presto kommen mit schlaglichtartiger Prägnanz. Die Musiker wirken ungemein routiniert, agieren zugleich aber immer spielerisch und mit bezaubernder Leichtigkeit.
Gerrit Zitterbart meistert seinen Part am Bösendorfer Piano mit lächelnd vorgetragenen, fantastischen Läufen. Die Variationen im Andantino liefern plastische Tongemälde. Die Forelle, die laut Textvorlage "schoss in froher Eil‘ …vorüber wie ein Pfeil" – sie verdient ihren Namen, ist alles andere als ein träge im Gartenteich vor sich hin dümpelnder Goldfisch.
Das Publikum des 128. Juleumskonzertes ist offensichtlich fasziniert von dieser Art der Musik, die Power hat, unbändig und kraftvoll rüberkommt, und dabei dennoch so flüssig und eingängig ist, dass man einfach nur genießen kann. Es wird begeistert applaudiert, man möchte mehr. Die Musiker spielen – na klar! – die Forelle. Allerdings etwas abgespeckt, das Thema als reines Streichquartett. Ein ideal passender Ausklang.
Kölner Stadt-Anzeiger, 17. Mai 2002
Die Kunst der Balance · Beethoven, Janácek, Dvorák - die Musiker bestachen durch technische Perfektion und Ausdrucksreichtum
Unter den Kammermusikensembles ist das Abegg Trio eine erste Adresse. Kaum zu glauben, dass dieses Dreierteam schon über ein Vierteljahrhundert zusammenarbeitet, ohne auch nur die geringsten Verschleiß- oder Routineerscheinungen zu zeigen. Im Meisterkonzert begannen Ulrich Beetz (Violine), Birgit Erichson (Violoncello) und Gerrit Zitterbart (Klavier) mit Beethovens Opus 1, Nr.2. Aus einer Haltung innerer Ruhe in Gang gesetzt und gehalten, verliehen die blitzblanke Artikulation, die Triebkräfte rhythmischer Exaktheit, die sich im Schlusssatz motorisch verdichten, den jugendlichen Noten Beethovens eine pointierte Leichtigkeit. Sie wirkte unter der Oberfläche sogar im empfindungsvollen Largo.
Bekannter als die teils durch Rekonstruktion wiedergewonnene Trio-Urfassung ist das »Kreutzer-Sonate« betitelte Streichquartett von Leos Janácek. Die 15 Jahre ältere Version wirkt vor allem durch die Möglichkeit, dem Klavier kompaktere klangliche Aufgaben zuzuweisen, noch expressiver als das Quartett. Das aus Tolstois Erzählung gespeiste Programm verschaffte sich im Spiel des Abegg-Trios nicht in nach außen gekehrter Theatralik Geltung. Die Erregung dieser sprachhaften Musik vibrierte umso intensiver in ihren Innenräumen, als die Interpreten sich streng auf die Feinabstimmungen beim Erspüren der Ausdrucks- und Dynamiknuancen konzentrierten. In Antonín Dvoráks »Dumky-Trio« klingen urwüchsige, aber auch melancholische Töne an, die die böhmische Musik genau so prägen wie die überschäumende Lebenslust. Da sich das Ensemble auch hier auf die Kunst der Balance verstand, in manchem ruhigen Moment geradezu nach Schubertschen Tiefen schürfte, um gleich darauf wie zum Tanz aufzuspielen, entfaltete sich der ganze Reichtum des mitreißenden Zyklus', der ein begeistertes Publikum zurückließ.
Bc
Hannoversche Allgemeine, November 2001
Der alte Spielwitz · Sonntag mit Beethoven: Das Abegg-Trio feiert Geburtstag
Der langen Warteschlange im Foyer der hannoverschen Musikhochschule zuliebe verzögerte sich der Konzertbeginn um ein paar Minuten, doch dann bescherte das Abegg-Trio sich und seinem Publikum zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen in drei Etappen ein überwältigendes Abenteuer. Mit sämtlichen Klaviertrios von Beethoven knüpfte das Ensemble an seine Ende der achtziger Jahre vollendete Gesamtaufnahme an. Und der seinerzeit für Furore sorgende Spielwitz war wieder da. Das Schöne sei anspruchsvoll und ließe sich nicht abkürzen, unterstrich der Kritiker Joachim Kaiser in seiner anschließenden Laudatio auf das Abegg-Trio, in der er den Musikern die leidenschaftliche Hingabe von Überzeugungstätern attestierte. Dem Publikum offenbarte sich die vom Abegg-Trio beherzigte Kombination von Kunstsinn und musikalischer Leidenschaft, gleich ob die Ausdruckswelten der langsamen Sätze behutsam ausgelotet oder die kecken Passagen der Scherzi mit karikaturistischem Übermut akzentuiert wurden. Und wenn die raschen Schlusssätze nicht nur im Einklang mit Beethovens Tempovorschriften und Metronomzahlen sehr schnell (presto), sondern so schnell wie möglich (prestissimo) musiziert wurden, bewies das Abegg-Trio ein weiteres Mal seine Topform. Mit dem Nachmittagskonzert gestattete sich das Ensemble einen Ausflug in unterhaltsamere Sphären. Sowohl Beethovens Variationen op. 44 und 121a als auch das »Gassenhauertrio« op. 11 weisen einzelne Variationen jeweils einem der drei Instrumente zu. Weit radikaler hat Beethoven das Gefüge seiner Veränderungen im Andante cantabile des zum Abschluss der drei Konzerte gespielten Erzherzogtrios organisiert – hier korrespondieren das durch die linke Klavierhand verstärkte Violoncello mit der vom Klavierdiskant unterstützten Violine. Und nicht nur hier offenbarte sich, dass der auf einen extrem schlanken Ton versessene Geiger Ulrich Beetz, die auf geschmeidigen Baritoncharakter ausgerichtete Violoncellistin Birgit Erichson und der zwischen zupackenden Akkorden und perlenden Läufen behände agierende Pianist Gerrit Zitterbart ihre ganz und gar nicht homogenen Instrumente zu einem vollkommenen Zusammenklang geformt haben. Kammermusik ist für das Abegg-Trio eine Lebensaufgabe, und die gilt, wie der staunenswerte Sonntag mit Beethoven veranschaulichte, länger als ein Vierteljahrhundert.
Ludolf Baucke